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Industrie im Trend, Oktober 20267 min read

Oktober 23, 2026 5 min read
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Industrie im Trend, Oktober 20267 min read

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Industrieproduktion

Im August 2026 sank die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Nordrhein-Westfalen von 85,6 Punkten im Vorjahresmonat auf 80,1 Punkte und damit um 6,4 Prozent. Damit lag das aktuelle Produktionsniveau etwa 25 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2018 (Abb. 1). Das aktuelle Ergebnis ist, abgesehen von der kurzlebigen Erholung nach der Coronakrise im Jahr 2020, ein Ausdruck der seit 2018 andauernden strukturellen Krise.

Von Januar bis August 2026 verzeichneten nahezu alle ausgewiesenen Branchen des Verarbeitenden Gewerbes in NRW Produktionsrückgänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Abb. 2). Eine Ausnahme war die staatsnahe Branche „Sonstiger Fahrzeugbau“ mit einem Plus von 9,9 Prozent. Dazu zählen unter anderem der Schienenfahrzeugbau, der Luft- und Raumfahrzeugbau sowie die Herstellung militärischer Kampffahrzeuge. Der Anstieg in dieser stark von öffentlichen Aufträgen geprägten Branche ist keine breit getragene Erholung der Industrieproduktion. Im Jahr 2025 erwirtschaftete die Branche „Sonstiger Fahrzeugbau“ in NRW einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro. Der größte Anteil entfiel mit etwa 62,5 Prozent auf den Regierungsbezirk Düsseldorf, gefolgt von Arnsberg mit 16,7 Prozent und Detmold mit 6,7 Prozent. Die Einzelwerte für die Regierungsbezirke Köln und Münster werden nicht ausgewiesen. Zusammen entfielen auf diese Regierungsbezirke rechnerisch etwa 14,1 Prozent.

Dagegen verzeichnete die Branche „Pharmazeutische Erzeugnisse“ mit einem Minus von 21,6 Prozent den stärksten Produktionsrückgang. Im Jahr 2025 erwirtschaftete die Pharmaindustrie in NRW einen Umsatz von 9,2 Milliarden Euro. Der größte Anteil entfiel mit etwa 72,1 Prozent auf den Regierungsbezirk Köln, gefolgt von Detmold mit 9,5 Prozent und Münster mit 6,1 Prozent. Die Einzelwerte für die Regierungsbezirke Düsseldorf und Arnsberg werden nicht ausgewiesen. Zusammen entfielen auf diese Regierungsbezirke rechnerisch etwa 12,3 Prozent.

Insgesamt ging die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes um 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Nur eine der 21 ausgewiesenen Industriebranchen lag über dem Vorjahreszeitraum. Das ist keine breit getragene Erholung. Die staatlich geschaffene Nachfrage stützt einzelne Märkte, bekämpft aber nicht die strukturellen Ursachen der anhaltenden Krise der deutschen Wirtschaft. Eine dauerhafte Erholung der Industrie und der vollständigen Wertschöpfungsketten in NRW erfordert Reformen zur Verbesserung der Standortbedingungen.

Aufträge in der Industrie in NRW

Die Auftragseingänge sind ein Frühindikator für die Produktion. Im August 2026 stiegen die Inlandsaufträge im Verarbeitenden Gewerbe in NRW um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Auslandsaufträge nahmen um 0,7 Prozent zu. Insgesamt stiegen die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe in NRW um 3,5 Prozent (Abb. 3).

Die Inlandsaufträge stiegen stärker als die Auslandsaufträge. Bundesweit wurde der Anstieg der Inlandsnachfrage in den vorangegangenen Monaten maßgeblich von staatlichen Großaufträgen geprägt, insbesondere im Sonstigen Fahrzeugbau. Dazu zählen der Schiffbau, der Schienenfahrzeugbau, der Luft- und Raumfahrzeugbau sowie die Herstellung militärischer Kampffahrzeuge. Nach der Definition des Statistischen Bundesamtes gelten Einzelaufträge im Wert von mehr als 50 Millionen Euro als Großaufträge. Das Bundeswirtschaftsministerium führt die starken Schwankungen der Auftragseingänge auf die gestiegene Bedeutung öffentlicher Beschaffungen zurück und verweist auch auf fortbestehende strukturelle Wettbewerbsprobleme.

Von Januar bis August 2026 verzeichnete die Branche „Sonstiger Fahrzeugbau“ mit einem Plus von 78,8 Prozent den stärksten Zuwachs der Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Abb. 4). Dagegen gingen die Auftragseingänge in der Branche „Pharmazeutische Erzeugnisse“ um 21,2 Prozent am stärksten zurück. Insgesamt lagen 5 der 12 ausgewiesenen Branchen unter dem Vorjahreszeitraum.

Die staatlich geschaffene Nachfrage dürfte die anhaltende Schwäche der Nachfrage aus dem Privatsektor kaschieren. Eine breit getragene Erholung der Industrie in NRW lässt sich aus dem jüngsten Anstieg der Aufträge nicht ableiten.

Der Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe in NRW stieg im August 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,4 Prozent. Die Reichweite der Auftragsbestände im Verarbeitenden Gewerbe lag zuletzt bei durchschnittlich 6,6 Monaten. Das bedeutet, dass die Unternehmen ihre Produktion für etwa ein halbes Jahr auslasten könnten, selbst wenn keine neuen Aufträge hinzukämen.

Umsatz

Im August 2026 erwirtschaftete die Industrie in NRW einen Inlandsumsatz von 14,3 Milliarden Euro und einen Auslandsumsatz von 12,3 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz lag damit bei 26,6 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahresmonat August 2025 stieg der Inlandsumsatz um 1,7 Prozent, während der Auslandsumsatz um 4,2 Prozent stieg. Insgesamt stieg der Umsatz um 2,8 Prozent. Der durchschnittliche Monatsumsatz im Jahr 2026 lag von Januar bis August bei 28,7 Milliarden Euro (Abb. 5).

Der in Abb. 5 ausgewiesene durchschnittliche Monatsumsatz von Januar bis August 2026 ist nominal und liegt trotz des seit 2022 gestiegenen Preisniveaus unter den Jahresdurchschnitten von 2022 (31,3 Milliarden Euro), 2023 (30,7 Milliarden Euro) und 2024 (29,3 Milliarden Euro). Den Jahresdurchschnitt 2025 von 28,6 Milliarden Euro übertraf der aktuelle Durchschnitt nur geringfügig. Die schwache Umsatzentwicklung und die gestiegenen Kosten setzen die Industrie in NRW massiv unter Druck. Öffentliche Aufträge können die Nachfrage in einzelnen Branchen und damit auch einzelne Betriebe stützen. Eine breite Erholung der Industrie in NRW setzt jedoch eine dauerhafte Erholung der privaten Nachfrage voraus.

Beschäftigung

Im August 2026 lag die Anzahl der Beschäftigten in den nordrhein-westfälischen Industriebetrieben mit 20 und mehr Beschäftigten bei 1.140.483 Personen (Abb. 6). Gegenüber dem Vorjahresmonat waren dies 44.483 Personen weniger. Die Beschäftigtenzahl ging damit im Vorjahresmonatsvergleich den 33. Monat in Folge zurück. Von Januar bis August 2026 gingen in der nordrhein-westfälischen Industrie durchschnittlich etwa 3.200 Arbeitsplätze pro Monat verloren (rechnerisch: 3.168). Seit dem Höchststand im September 2019 sind bis August 2026 in NRW insgesamt 123.044 Industriearbeitsplätze weggefallen. Der Beschäftigungsabbau im Vor-jahresvergleich in der nordrhein-westfälischen Industrie setzt sich damit auch bei zuletzt gestiegenen Auftragseingängen fort. Ein einzelner starker Auftragsmonat kann den Arbeitsplatzverlust nicht ausgleichen.

Der Wegfall von 123.044 Industriearbeitsplätzen in NRW entspricht in einer Modellrechnung entgangenen Lohnsteuern und Sozialbeiträgen von etwa 4,9 Milliarden Euro pro Jahr. Davon entfallen 1,4 Milliarden Euro auf die Lohnsteuer und 3,5 Milliarden Euro auf die Sozialbeiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Die Berechnung legt den durchschnittlichen Bruttojahresverdienst einschließlich Sonderzahlungen von 67.520 Euro für Vollzeitbeschäftigte im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland im Jahr 2025 zugrunde.

Die in Abb. 6 dargestellte Industriebeschäftigung erfasst auch Beschäftigte in Handwerksbetrieben, sofern diese dem Verarbeitenden Gewerbe sowie dem Bergbau und der Gewinnung von Steinen und Erden (WZ B und C) angehören und mindestens 20 Beschäftigte haben. Nicht erfasst sind Handwerksbetriebe außerhalb dieser Wirtschaftsabschnitte und Betriebe unterhalb der jeweiligen Erfassungsgrenze. Im Verarbeitenden Gewerbe (WZ C) waren 2024 in Handwerksunternehmen 287.894 Personen tätig. Das entspricht 22,5 Prozent aller in der Handwerkszählung erfassten Tätigen in NRW.

Das Handwerk umfasst auch Wirtschaftszweige außerhalb der Industrie. Nach der Handwerkszählung 2024 von IT.NRW waren in NRW in zulassungspflichtigen und zulassungsfreien Handwerksunternehmen insgesamt 1.281.042 Personen tätig. Die Handwerkszählung 2024 weist im Verarbeitenden Gewerbe 91.875 Tätige in der Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln aus, darunter 71.154 in der Herstellung von Backwaren und Teigwaren. In der Herstellung von Metallerzeugnissen waren 48.841 Personen tätig, im Maschinenbau 31.986. Das Baugewerbe (WZ F) gehört nicht zur hier dargestellten Industrie; dort waren 2024 weitere 398.097 Personen in Handwerksunternehmen tätig. Auf Handwerksunternehmen in Wirtschaftsabschnitten außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes und des Baugewerbes entfielen rechnerisch 595.051 Personen. Die verwendete Tabelle der Handwerkszählung 2024 von IT.NRW weist diese übrigen Wirtschaftsabschnitte nicht einzeln aus.