Industrie im Trend, April 20264 min read
Reading Time: 4 minutesIm Februar 2026 sank die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Nordrhein-Westfalen um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Damit liegt das aktuelle Produktionsniveau etwa 23 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2018 (Abb. 1). Das aktuelle Ergebnis ist, abgesehen von der kurzlebigen Erholung nach der Coronakrise im Jahr 2020, ein Ausdruck der seit 2018 andauernden strukturellen Krise.
Vom Januar bis Februar 2026 verzeichneten einige Branchen des Verarbeitenden Gewerbes in NRW eine Produktionssteigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Abb. 2). Den stärksten Zuwachs meldete weiterhin die Branche „Sonstiger Fahrzeugbau“ mit einem Plus von 7,4 Prozent. Im Jahr 2024 erwirtschaftete die Branche im Regierungsbezirk Düsseldorf einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro und damit etwa 60,0 Prozent des Gesamtumsatzes dieser Branche in NRW. Es folgen die Betriebe in den Regierungsbezirken Arnsberg mit 19,5 Prozent, Münster mit 8,7 Prozent, Detmold mit 6,7 Prozent und Köln mit 5,1 Prozent.
Dagegen verzeichnete die Branche „Kokerei und Mineralölverarbeitung“ mit -17,5 Prozent den stärksten Rückgang. Auch die Branche „Pharmazeutische Erzeugnisse“ verzeichnet ein Minus von 17,1 Prozent. Im Jahr 2024 erwirtschaftete die Pharmaindustrie im Regierungsbezirk Köln einen Umsatz von 6,9 Milliarden Euro und damit etwa 72,3 Prozent des Gesamtumsatzes der nordrhein-westfälischen Pharmaindustrie. Es folgen die Betriebe in den Regierungsbezirken Detmold mit 10,3 Prozent, Arnsberg mit 9,0 Prozent, Münster mit 6,1 Prozent und Düsseldorf mit 2,1 Prozent.
Der Produktionsrückgang im Verarbeitenden Gewerbe deutet zwar auf eine Schwächung der vollständigen industriellen Wertschöpfungsketten in NRW hin. Aber die Produktion in der Branche „Metallerzeugung und -bearbeitung“ liegt um 3,1 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Erholung in der Metallindustrie als dauerhaft erweisen und sich positiv auf breite Industriezweige auswirken könnte.
Aufträge in der Industrie in NRW
Die Auftragseingänge als ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung deuten weiterhin auf eine schwache Produktionsentwicklung in der nordrhein-westfälischen Industrie hin (Abb. 3). Im Februar 2026 sanken die Inlandsaufträge um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, während die Auslandsaufträge um 0,2 Prozent stiegen. Damit sanken die gesamten Auftragseingänge um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Vom Januar bis Februar 2026 verzeichnete die Branche „Sonstiger Fahrzeugbau“ mit einem Plus von 84,7 Prozent außergewöhnlich hohe Steigerung der Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Abb. 4). In diesem Wirtschaftszweig spielen unter anderem staatliche Aufträge eine wichtige Rolle, z.B. im Schienenfahrzeugbau, der Luft- und Raumfahrt sowie der Herstellung militärischer Kampffahrzeuge. Dagegen verzeichnen zahlreiche klassische Industriezweige weiterhin rückläufige Auftragseingänge, darunter insbesondere die Pharmaindustrie sowie weitere exportorientierte Branchen. In der Branche „Pharmazeutische Erzeugnisse“ gingen die Auftragseingänge um 24,1 Prozent am stärksten zurück. Angesichts einer zunehmend restriktiven US-Handelspolitik und schwachen Binnennachfrage bleibt eine nachhaltige Belebung der Auftragseingänge außerhalb vom Verteidigungssektor unwahrscheinlich.
Der Auftragsbestand, gemessen an der Reichweite der Aufträge in Monaten, im Verarbeitenden Gewerbe stieg im Februar 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,0 Prozent. Die Reichweite der Auftragsbestände im Verarbeitenden Gewerbe lag zuletzt bei durchschnittlich 6,3 Monaten. Das bedeutet, dass die Unternehmen ihre Produktion für etwa ein halbes Jahr auslasten könnten, selbst wenn keine neuen Aufträge hinzukämen.
Umsatz in der Industrie in NRW
Im Februar 2026 erwirtschaftete die Industrie in NRW einen Inlandsumsatz von 14,4 Milliarden Euro und einen Auslandsumsatz von 12,8 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz lag damit bei etwa 26,2 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Februar 2025 sank der Inlandsumsatz um 1,4 Prozent, während der Auslandsumsatz um 5,2 Prozent sank. Insgesamt sank der Umsatz um 3,3 Prozent. Der durchschnittliche Monatsumsatz im Jahr 2026 lag bei 26,7 Milliarden Euro (Abb. 5).
Beschäftigung in der Industrie in NRW
Die Beschäftigung in der nordrhein-westfälischen Industrie wird weiter abgebaut. Im Februar 2026 betrug die Anzahl der Beschäftigten in den Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten 1.154.878 Personen (Abb. 6). Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank sie um 43.886 Personen und ging damit den 27. Monat in Folge zurück. Derzeit verliert die Industrie in NRW Monat für Monat etwa 3.000 Arbeitsplätze. Die seit 2018 andauernde strukturelle Krise schlägt sich auch in der Beschäftigung nieder. Der Arbeitsmarkt, der trotz rückläufiger Produktion, Aufträge und Umsätze bis 2023 stabil gehalten hatte, gerät zunehmend unter Druck.









