Industrie im Trend, Februar 20265 min read
Reading Time: 4 minutesIndustrieproduktion
Im Dezember 2025 sank die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Nordrhein-Westfalen um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Damit liegt das aktuelle Produktionsniveau etwa 20 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2018 (Abb. 1). Das aktuelle Ergebnis ist, abgesehen von der kurzlebigen Erholung nach der Coronakrise im Jahr 2020, ein Ausdruck der seit 2018 andauernden strukturellen Krise.
Im Jahr 2025 verzeichneten einige Branchen des Verarbeitenden Gewerbes in NRW eine Produktionssteigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Abb. 2). Den stärksten Zuwachs meldete die Branche „Pharmazeutische Erzeugnisse“ mit einem Plus von 5,3 Prozent. Im Jahr 2024 erwirtschaftete die Pharmaindustrie im Regierungsbezirk Köln einen Umsatz von 6,9 Milliarden Euro und damit etwa 72,3 Prozent des Gesamtumsatzes der nordrhein-westfälischen Pharmaindustrie, gefolgt von den Betrieben in den Regierungsbezirken Detmold mit 10,3 Prozent, Arnsberg mit 9,0 Prozent, Münster mit 6,1 Prozent und Düsseldorf mit 2,1 Prozent.
Dagegen verzeichnete die Branche „Kraftwagen und Kraftwagenteile“ mit -7,7 Prozent den stärksten Rückgang. Im Jahr 2024 erwirtschaftete die Automobilbranche im Regierungsbezirk Arnsberg einen Umsatz von 14,2 Milliarden Euro und damit etwa 27,3 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche, gefolgt von den Betrieben in den Regierungsbezirken Düsseldorf mit 19,9 Prozent, Köln mit 19,1 Prozent, Detmold mit 18,4 Prozent und Münster mit 15,2 Prozent.
Der Produktionsrückgang im Verarbeitenden Gewerbe deutet auf eine Schwächung der vollständigen industriellen Wertschöpfungsketten in NRW hin. Die Produktion in der Chemieindustrie, die wie in der Pharmaindustrie von Januar bis April noch über dem Vorjahresniveau lag, ging um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Erholung in der Grundstoffindustrie, z.B. in der Pharmaindustrie, als dauerhaft erweisen und sich positiv auf andere Industriezweige auswirken könnte.
Aufträge in der Industrie in NRW
Die Auftragseingänge, ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung, deuten auf eine negative Produktionsentwicklung in der nordrhein-westfälischen Industrie hin (Abb. 3). Im Dezember 2025 stiegen die Inlandsaufträge um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, während die Auslandsaufträge um 1,1 Prozent sanken. Damit sanken die gesamten Auftragseingänge um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Im Jahr 2025 verzeichneten drei Branchen des Verarbeitenden Gewerbes in NRW steigende Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Abb. 4). Den mit Abstand stärksten Zuwachs gab es in der Branche „Sonstiger Fahrzeugbau“ mit einem Plus von 79,2 Prozent. In diesem Wirtschaftszweig spielen unter anderem staatliche Aufträge eine wichtige Rolle, z.B. im Schienenfahrzeugbau, der Luft- und Raumfahrt sowie der Herstellung militärischer Kampffahrzeuge.
Dagegen gingen die Auftragseingänge in der Branche „Textilien“ um 8,6 Prozent am stärksten zurück. Im Jahr 2024 erwirtschaftete die Textilindustrie im Regierungsbezirk in Münster einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro und damit etwa 43,8 Prozent des Gesamtumsatzes der nordrhein-westfälischen Textilindustrie, gefolgt von den Betrieben in den Regierungsbezirken Düsseldorf mit 25,0 Prozent, Köln mit 14,5 Prozent, Detmold mit 11,6 Prozent und Arnsberg mit 5,1 Prozent.
Der Auftragsbestand, gemessen an der Reichweite der Aufträge in Monaten, im Verarbeitenden Gewerbe stieg im Dezember 2025 gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,4 Prozent. Die Reichweite der Auftragsbestände im Verarbeitenden Gewerbe lag zuletzt bei durchschnittlich 6,1 Monaten. Das bedeutet, dass die Unternehmen ihre Produktion für ein halbes Jahr auslasten könnten, selbst wenn keine neuen Aufträge hinzukämen.
Umsatz
Im Dezember 2025 erwirtschaftete die Industrie in NRW einen Inlandsumsatz von 13,8 Milliarden Euro und einen Auslandsumsatz von 12,9 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz lag damit bei etwa 26,8 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Dezember 2024 sank der Inlandsumsatz um 2,6 Prozent, während der Auslandsumsatz um 2,8 Prozent sank. Insgesamt sank der Umsatz um 2,7 Prozent. Der durchschnittliche Monatsumsatz im Jahr 2025 lag bei 28,6 Milliarden Euro (Abb. 5). Der Jahresumsatz im Jahr 2025 lag bei 342, 9 Milliarden Euro und trotz des gestiegenen Preisniveaus deutlich unter dem Niveau der Jahre 2022 bis 2024.
Beschäftigung
Im Dezember 2025 betrug die Anzahl der Beschäftigten in den Betrieben der nordrhein-westfälischen Industrie mit mehr als 20 Beschäftigten 1.165.828 Personen (Abb. 6). Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Anzahl der Beschäftigten um 33.823 Personen und ging damit den 25. Monat in Folge zurück. Derzeit verliert die Industrie in NRW Monat für Monat etwa 2.800 Arbeitsplätze. Die seit 2018 andauernde strukturelle Krise setzt den Arbeitsmarkt zunehmend unter Druck, der sich bis 2023 trotz rückläufiger Produktion, Aufträge und Umsätze noch stabil gehalten hatte.









