Industrie im Trend, August 20263 min read
Reading Time: 3 minutesIndustrieproduktion in NRW
Im Juni 2026 sank die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Nordrhein-Westfalen von 85,5 Punkten im Vorjahresmonat auf 82,0 Punkte und damit um 4,1 Prozent. Damit liegt das aktuelle Produktionsniveau etwa 23 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2018 (Abb. 1). Das aktuelle Ergebnis ist, abgesehen von der kurzlebigen Erholung nach der Coronakrise im Jahr 2020, ein Ausdruck der seit 2018 andauernden strukturellen Krise.

Vom Januar bis Juni 2026 verzeichneten nahezu alle ausgewiesenen Branchen des Verarbeitenden Gewerbes in NRW Produktionsrückgänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Abb. 2). Eine Ausnahme war die staatsnahe Branche „Sonstiger Fahrzeugbau“ mit einem Plus von 4,7 Prozent. Dazu zählen unter anderem der Schienenfahrzeugbau, der Luft- und Raumfahrzeugbau sowie die Herstellung militärischer Kampffahrzeuge. Da die Branche stark von öffentlichen Aufträgen und staatsnaher Nachfrage geprägt ist, spricht der Anstieg nicht für eine breite Erholung der Industrieproduktion. Im Jahr 2025 erwirtschaftete die Branche „Sonstiger Fahrzeugbau“ in NRW einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro. Der größte Anteil entfiel mit etwa 62,5 Prozent auf den Regierungsbezirk Düsseldorf, gefolgt von Arnsberg mit 16,7 Prozent und Detmold mit 6,7 Prozent. Die Einzelwerte für die Regierungsbezirke Köln und Münster werden in der Quelle nicht ausgewiesen. Zusammen entfielen auf diese Regierungsbezirke rechnerisch etwa 14,1 Prozent.
Dagegen verzeichnete die Branche „Pharmazeutische Erzeugnisse“ mit einem Minus von 26,2 Prozent den stärksten Produktionsrückgang. Im Jahr 2025 erwirtschaftete die Pharmaindustrie in NRW einen Umsatz von 9,2 Milliarden Euro. Der größte Anteil entfiel mit etwa 72,1 Prozent auf den Regierungsbezirk Köln, gefolgt von Detmold mit 9,5 Prozent und Münster mit 6,1 Prozent. Die Einzelwerte für die Regierungsbezirke Düsseldorf und Arnsberg werden in der Quelle nicht ausgewiesen. Zusammen entfielen auf diese Regierungsbezirke rechnerisch etwa 12,3 Prozent.

Aufträge in der Industrie in NRW
Im Juni 2026 stiegen die Inlandsaufträge um 19,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, während die Auslandsaufträge um 2,2 Prozent sanken. Damit stiegen die Auftragseingänge insgesamt um 6,5 Prozent (Abb. 3). Bereits im Mai 2026 hatten die Auftragseingänge den Vorjahreswert um 8,3 Prozent übertroffen. Während der Anstieg im Mai vom Auslandsgeschäft getragen wurde, kam er im Juni aus dem Inlandsgeschäft. Als Frühindikator deuten die Auf-tragseingänge damit auf eine leichte Belebung der Nachfrage hin. Die wechselnden Impulse zeigen jedoch, dass noch kein stabiler, breit getragener Aufwärtstrend erkennbar ist.

Vom Januar bis Juni 2026 verzeichnete die Branche „Textilien“ mit einem Plus von 67,7 Prozent den stärksten Zuwachs der Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Abb. 4). Im Jahr 2025 erwirtschaftete die Textilindustrie in NRW einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro. Der größte Anteil entfiel mit etwa 44,3 Prozent auf den Regierungsbezirk Münster, gefolgt von Düsseldorf mit 26,2 Prozent, Köln mit 12,8 Prozent, Detmold mit 11,8 Prozent und Arnsberg mit 4,9 Prozent. Dagegen gingen die Auftragseingänge in der Branche „Pharmazeutische Erzeugnisse“ um 28,9 Prozent am stärksten zurück. Insgesamt lagen 7 der 12 ausgewiesenen Branchen unter dem Vorjahreszeitraum.

Der Auftragsbestand, gemessen an der Reichweite der Aufträge in Monaten, im Verarbeitenden Gewerbe stieg im Juni 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,5 Prozent. Die Reichweite der Auftragsbestände im Verarbeitenden Gewerbe lag zuletzt bei durchschnittlich 6,4 Monaten. Das bedeutet, dass die Unternehmen ihre Produktion für etwa ein halbes Jahr auslasten könnten, selbst wenn keine neuen Aufträge hinzukämen.



