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Industrie im Trend, August 20265 min read

August 27, 2026 4 min read
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Industrie im Trend, August 20265 min read

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Industrieproduktion in NRW
Im Juni 2026 sank die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Nordrhein-Westfalen von 85,5 Punkten im Vorjahresmonat auf 82,0 Punkte und damit um 4,1 Prozent. Damit liegt das aktuelle Produktionsniveau etwa 23 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2018 (Abb. 1). Das aktuelle Ergebnis ist, abgesehen von der kurzlebigen Erholung nach der Coronakrise im Jahr 2020, ein Ausdruck der seit 2018 andauernden strukturellen Krise.

Vom Januar bis Juni 2026 verzeichneten nahezu alle ausgewiesenen Branchen des Verarbeitenden Gewerbes in NRW Produktionsrückgänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Abb. 2). Eine Ausnahme war die staatsnahe Branche „Sonstiger Fahrzeugbau“ mit einem Plus von 4,7 Prozent. Dazu zählen unter anderem der Schienenfahrzeugbau, der Luft- und Raumfahrzeugbau sowie die Herstellung militärischer Kampffahrzeuge. Da die Branche stark von öffentlichen Aufträgen und staatsnaher Nachfrage geprägt ist, spricht der Anstieg nicht für eine breite Erholung der Industrieproduktion. Im Jahr 2025 erwirtschaftete die Branche „Sonstiger Fahrzeugbau“ in NRW einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro. Der größte Anteil entfiel mit etwa 62,5 Prozent auf den Regierungsbezirk Düsseldorf, gefolgt von Arnsberg mit 16,7 Prozent und Detmold mit 6,7 Prozent. Die Einzelwerte für die Regierungsbezirke Köln und Münster werden in der Quelle nicht ausgewiesen. Zusammen entfielen auf diese Regierungsbezirke rechnerisch etwa 14,1 Prozent.

Dagegen verzeichnete die Branche „Pharmazeutische Erzeugnisse“ mit einem Minus von 26,2 Prozent den stärksten Produktionsrückgang. Im Jahr 2025 erwirtschaftete die Pharmaindustrie in NRW einen Umsatz von 9,2 Milliarden Euro. Der größte Anteil entfiel mit etwa 72,1 Prozent auf den Regierungsbezirk Köln, gefolgt von Detmold mit 9,5 Prozent und Münster mit 6,1 Prozent. Die Einzelwerte für die Regierungsbezirke Düsseldorf und Arnsberg werden in der Quelle nicht ausgewiesen. Zusammen entfielen auf diese Regierungsbezirke rechnerisch etwa 12,3 Prozent.

Aufträge in der Industrie in NRW
Im Juni 2026 stiegen die Inlandsaufträge um 19,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, während die Auslandsaufträge um 2,2 Prozent sanken. Damit stiegen die Auftragseingänge insgesamt um 6,5 Prozent (Abb. 3). Bereits im Mai 2026 hatten die Auftragseingänge den Vorjahreswert um 8,3 Prozent übertroffen. Während der Anstieg im Mai vom Auslandsgeschäft getragen wurde, kam er im Juni aus dem Inlandsgeschäft. Als Frühindikator deuten die Auf-tragseingänge damit auf eine leichte Belebung der Nachfrage hin. Die wechselnden Impulse zeigen jedoch, dass noch kein stabiler, breit getragener Aufwärtstrend erkennbar ist.

Vom Januar bis Juni 2026 verzeichnete die Branche „Textilien“ mit einem Plus von 67,7 Prozent den stärksten Zuwachs der Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Abb. 4). Im Jahr 2025 erwirtschaftete die Textilindustrie in NRW einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro. Der größte Anteil entfiel mit etwa 44,3 Prozent auf den Regierungsbezirk Münster, gefolgt von Düsseldorf mit 26,2 Prozent, Köln mit 12,8 Prozent, Detmold mit 11,8 Prozent und Arnsberg mit 4,9 Prozent. Dagegen gingen die Auftragseingänge in der Branche „Pharmazeutische Erzeugnisse“ um 28,9 Prozent am stärksten zurück. Insgesamt lagen 7 der 12 ausgewiesenen Branchen unter dem Vorjahreszeitraum.

Der Auftragsbestand, gemessen an der Reichweite der Aufträge in Monaten, im Verarbeitenden Gewerbe stieg im Juni 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,5 Prozent. Die Reichweite der Auftragsbestände im Verarbeitenden Gewerbe lag zuletzt bei durchschnittlich 6,4 Monaten. Das bedeutet, dass die Unternehmen ihre Produktion für etwa ein halbes Jahr auslasten könnten, selbst wenn keine neuen Aufträge hinzukämen.

Umsatz in der Industrie in NRW

Im Juni 2026 erwirtschaftete die Industrie in NRW einen Inlandsumsatz von 16,2 Milliarden Euro und einen Auslandsumsatz von 14,6 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz lag damit bei 30,9 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Juni 2025 stieg der Inlandsumsatz um 9,3 Prozent, während der Auslandsumsatz um 7,9 Prozent stieg. Insgesamt stieg der Umsatz um 8,6 Prozent. Der durchschnittliche Monatsumsatz im Jahr 2026 lag von Januar bis Juni bei 28,9 Milliarden Euro (Abb. 5).


Der in Abb. 5 ausgewiesene bisherige Durchschnitt liegt trotz des seit 2022 gestiegenen Preisniveaus deutlich unter dem Jahresdurchschnitt von 2022 (31,3 Milliarden Euro) und zudem unter den Werten von 2023 (30,7 Milliarden Euro) und 2024 (29,3 Milliarden Euro). Dies unterstreicht die anhaltende strukturelle Schwäche. Der jüngste Anstieg dürfte zugleich erste Impulse des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität widerspiegeln. Eine breite und nachhaltige Erholung lässt sich daraus bislang jedoch nicht ableiten.

Beschäftigung in der Industrie in NRW
Die Beschäftigung in der nordrhein-westfälischen Industrie wird weiter abgebaut. Im Juni 2026 lag die hochgerechnete Zahl der Beschäftigten in den Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten bei 1.140.966 Personen (Abb. 6). Gegenüber dem Vorjahresmonat waren dies rechnerisch 42.490 Beschäftigte weniger. Damit lag die Beschäftigtenzahl den 31. Monat in Folge unter dem jeweiligen Vorjahreswert. Monat für Monat gehen mehr als 3.000 Arbeitsplätze in der nordrhein-westfälischen Industrie verloren. Die seit 2018 andauernde Strukturkrise schlägt sich damit zunehmend in der Beschäftigung nieder. Der Arbeitsmarkt, der trotz rückläufiger Produktion, Aufträge und Umsätze bis 2023 stabil geblieben war, gerät zunehmend unter Druck.