Geschäftsklima, März 20202 min read
Reading Time: 2 minutesGeschäftsklima Deutschland
Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich im März dramatisch verschlechtert. Der Geschäftsklimaindex ist im März, im Vergleich zum Vormonat, um 9,9 Zähler auf nun 86,1 Punkte eingebrochen – das ist der heftigste jemals verzeichnete Rückgang im wiedervereinigten Deutschland. Die Lage wurde um 6,0 Zähler schlechter bewertet, die Erwartungen sanken sogar um 13,4 Zähler. Der Stimmungsindikator zeigt wie massiv der Shutdown die zuletzt ohnehin schon fragile deutsche Volkswirtschaft trifft.
Stimmung nach Sektoren
Im Verarbeitenden Gewerbe sanken die Erwartungen so stark wie seit 70 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig trübte sich die Lageeinschätzung deutlich ein. Die Industrie muss nicht nur eine sinkende Nachfrage, Engpässe in den Lieferketten sowie Einschränkungen in der Produktion aufgrund von Schutzmaßnahmen verkraften. Zudem wirkt sich der asynchrone Verlauf der Pandemie insbesondere auf die weltweit verflochtenen Lieferketten der Industrie aus und dehnt die nachfrage- und angebotsseitigen Herausforderungen zeitlich aus.
Der Handelssektor verbuchte ebenso massive Einbußen der Erwartungen. Die positiven Töne der Lebensmittel- und
Drogerieläden werden dabei deutlich überstimmt durch die Schließung des übrigen stationären Handels. Die Stimmung im Dienstleistungssektor ist ebenfalls eingebrochen.
Im Bau fällt der Stimmungsabfall relativ moderat aus. Die Lage wird weiterhin positiv eingeschätzt, die Erwartungen
sanken hingegen deutlich. Letzteres dürfte durch eine schwächere Nachfrage sowie angebotsseitige Engpässe zu erklären sein. Ähnlich wie in der Landwirtschaft ist die Baubranche stark auf die Mobilität der Arbeitskräfte innerhalb Europas angewiesen.
Erwartungen und Branchenbild
Die Exporterwartungen der Industrie sind in den überwiegend negativen Bereich gestürzt. Vergleicht man den Anteil der Betriebe die von einem Anstieg ausgehen mit dem Anteil der Betriebe die von einem Rückgang ausgehen, dann liegt die Differenz per Saldo bei rund 20 Prozentpunkten. Das ist der niedrigste Wert seit Mai 2009. Zeitgleich waren die Beschäftigtenerwartungen erneut rückläufig und liegen so tief wie seit zehn Jahren nicht mehr.
Aus der Befragung des ifo Instituts für einzelne Branchen geht zudem hervor, dass es 15 von 30 Branchen gibt, in denen die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als überwiegend schlecht einschätzen. In 28 (!) von 30 Branchen
werden die Geschäftserwartungen überwiegend pessimistisch gesehen.



