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Industrie im Trend, September 20266 min read

September 30, 2026 5 min read
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Industrie im Trend, September 20266 min read

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Im Juli 2026 sank die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Nordrhein-Westfalen von 87,3 Punkten im Vorjahresmonat auf 82,8 Punkte und damit um 5,2 Prozent. Damit liegt das aktuelle Produktionsniveau etwa 23 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2018 (Abb. 1). Das aktuelle Ergebnis ist, abgesehen von der kurzlebigen Erholung nach der Coronakrise im Jahr 2020, ein Ausdruck der seit 2018 andauernden strukturellen Krise.Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Damit liegt das aktuelle Produktionsniveau etwa 21 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2018 (Abb. 1). Das aktuelle Ergebnis ist, abgesehen von der kurzlebigen Erholung nach der Coronakrise im Jahr 2020, ein Ausdruck der seit 2018 andauernden strukturellen Krise.

Vom Januar bis Juli 2026 verzeichneten nahezu alle ausgewiesenen Branchen des Verarbeitenden Gewerbes in NRW Produktionsrückgänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Abb. 2). Eine Ausnahme war die staatsnahe Branche „Sonstiger Fahrzeugbau“ mit einem Plus von 9,4 Prozent. Dazu zählen unter anderem der Schienenfahrzeugbau, der Luft- und Raumfahrzeugbau sowie die Herstellung militärischer Kampffahrzeuge. Da die Branche stark von öffentlichen Aufträgen und staatsnaher Nachfrage geprägt ist, spricht der Anstieg nicht für eine breite Erholung der Industrieproduktion. Im Jahr 2025 erwirtschaftete die Branche „Sonstiger Fahrzeugbau“ in NRW einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro. Der größte Anteil entfiel mit etwa 62,5 Prozent auf den Regierungsbezirk Düsseldorf, gefolgt von Arnsberg mit 16,7 Prozent und Detmold mit 6,7 Prozent. Die Einzelwerte für die Regierungsbezirke Köln und Münster werden in der Quelle nicht ausgewiesen. Zusammen entfielen auf diese Regierungsbezirke rechnerisch etwa 14,1 Prozent.

Dagegen verzeichnete die Branche „Pharmazeutische Erzeugnisse“ mit einem Minus von 24,1 Prozent den stärksten Produktionsrückgang. Im Jahr 2025 erwirtschaftete die Pharmaindustrie in NRW einen Umsatz von 9,2 Milliarden Euro. Der größte Anteil entfiel mit etwa 72,1 Prozent auf den Regierungsbezirk Köln, gefolgt von Detmold mit 9,5 Prozent und Münster mit 6,1 Prozent. Die Einzelwerte für die Regierungsbezirke Düsseldorf und Arnsberg werden in der Quelle nicht ausgewiesen. Zusammen entfielen auf diese Regierungsbezirke rechnerisch etwa 12,3 Prozent.

Aufträge in der Industrie in NRW

Die Auftragseingänge sind ein Frühindikator für die Produktion. Im Juli 2026 stiegen die Inlandsaufträge in NRW um 34,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Auslandsaufträge nahmen um 7,1 Prozent zu. Insgesamt stiegen die Auftragseingänge um 19,9 Prozent (Abb. 3). Bereits im Juni hatten sie den Vorjahreswert um 6,5 Prozent übertroffen.

Der Zuwachs bei den Auslandsaufträgen blieb deutlich hinter dem der Inlandsaufträge zurück. Auch bundesweit wurde der Anstieg der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im Juli maßgeblich von Großaufträgen im Sonstigen Fahrzeugbau geprägt, vor allem im Schiff-, Schienenfahrzeug- und Flugzeugbau. Nach der Definition des Statistischen Bundesamtes gelten Einzelaufträge im Wert von mehr als 50 Millionen Euro als Großaufträge. Ohne Großaufträge gingen die Auftragseingänge in Deutschland gegenüber dem Vormonat um 1,4 Prozent zurück. Das Bundeswirtschaftsministerium weist auf einen möglichen Zusammenhang mit öffentlichen Beschaffungen zur Modernisierung der Bundeswehr und mit Aufträgen im Kontext des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität hin.

Von Januar bis Juli 2026 verzeichnete die Branche „Sonstiger Fahrzeugbau“ mit einem Plus von 73,2 Prozent den stärksten Zuwachs der Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Abb. 4). Dagegen gingen die Auftragseingänge in der Branche „Pharmazeutische Erzeugnisse“ um 26,0 Prozent am stärksten zurück. Insgesamt lagen 6 der 12 ausgewiesenen Branchen unter dem Vorjahreszeitraum. Die staatlich gestützte Nachfrage dürfte die anhaltende Schwäche der Nachfrage aus dem Privatsektor überdecken. Eine breit getragene Erholung der Industrie lässt sich aus dem jüngsten Auftragsplus nicht ableiten.

Der Auftragsbestand, gemessen an der Reichweite der Aufträge in Monaten, im Verarbeitenden Gewerbe stieg im Juli 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,2 Prozent. Die Reichweite der Auftragsbestände im Verarbeitenden Gewerbe lag zuletzt bei durchschnittlich 6,6 Monaten. Das bedeutet, dass die Unternehmen ihre Produktion für etwa ein halbes Jahr auslasten könnten, selbst wenn keine neuen Aufträge hinzukämen.

Umsatz in der Industrie in NRW

Im Juli 2026 erwirtschaftete die Industrie in NRW einen Inlandsumsatz von 15,8 Milliarden Euro und einen Auslandsumsatz von 13,7 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz lag damit bei 29,6 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Juli 2025 stieg der Inlandsumsatz um 1,8 Prozent, während der Auslandsumsatz um 1,2 Prozent stieg. Insgesamt stieg der Umsatz um 1,5 Prozent. Der durchschnittliche Monatsumsatz im Jahr 2026 lag von Januar bis Juli bei 29,0 Milliarden Euro (Abb. 5).

Der in Abb. 5 ausgewiesene durchschnittliche Monatsumsatz von Januar bis Juli 2026 liegt trotz des seit 2022 gestiegenen Preisniveaus unter den Jahresdurchschnitten von 2022 (31,3 Milliarden Euro), 2023 (30,7 Milliarden Euro) und 2024 (29,3 Milliarden Euro). Die anhaltende Schwäche der Industrie ist damit nicht überwunden. Öffentliche Aufträge können die Nach-frage in einzelnen Branchen und damit auch einzelne Betriebe stützen. Eine breite Erholung setzt jedoch voraus, dass auch die private Nachfrage dauerhaft zunimmt.

Beschäftigung in der Industrie in NRW

Im Juli 2026 lag die hochgerechnete Zahl der Beschäftigten in den erfassten nordrhein-westfälischen Industriebetrieben bei etwa 1,14 Millionen Personen (Abb. 6). Das waren etwa 44.600 Beschäftigte weniger als im Vorjahresmonat. Damit lag die Beschäftigtenzahl den 32. Monat in Folge unter dem jeweiligen Vorjahreswert. Von Januar bis Juli 2026 gingen in der nordrhein-westfälischen Industrie durchschnittlich etwa 3.900 Arbeitsplätze pro Monat verloren (rechnerisch: 3.875). Seit dem Höchststand im September 2019 sind bis Juli 2026 in NRW insgesamt 124.822 Industriearbeitsplätze weggefallen.

Der Beschäftigungsabbau in der nordrhein-westfälischen Industrie setzt sich damit auch bei zuletzt gestiegenen Auftragseingängen fort. Ein einzelner starker Auftragsmonat kann den Arbeitsplatzverlust nicht ausgleichen.

Handwerk ist keine eigene Wirtschaftsbranche. Nach der Handwerkszählung 2024 von IT.NRW waren in NRW in zulassungspflichtigen und zulassungsfreien Handwerksunternehmen insgesamt 1.281.042 Personen tätig. Davon arbeiteten 287.894 Personen beziehungsweise 22,5 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe (WZ C). Die Statistik weist dort 91.875 Tätige in der Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln aus, darunter 71.154 in der Herstellung von Backwaren und Teigwaren. In der Herstellung von Metallerzeugnissen waren 48.841 Personen tätig, im Maschinenbau 31.986.

Ein Teil der in Handwerksunternehmen tätigen Personen kann auch in der Industriebeschäftigung (Abb. 6) erfasst sein. Diese umfasst Betriebe mit mindestens 20 Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden (WZ B und C). Kleinere Handwerksbetriebe, zum Beispiel solche mit weniger als 20 Beschäftigten, bleiben daher meist unberücksichtigt. Zudem gehört das Baugewerbe (WZ F) nicht zur hier dargestellten Industrie; dort waren 2024 weitere 398.097 Personen in Handwerksunternehmen tätig. Auf Handwerksunternehmen in anderen Wirtschaftsabschnitten entfielen rechnerisch 595.051 Personen. Die verwendete Tabelle der Handwerkszählung 2024 von IT.NRW weist diese übrigen Wirtschaftsabschnitte nicht einzeln aus.